Das Wetter wird besser, die Radfahrer haben die Straßen wieder für sich entdeckt.
Und wie sie die Straßen für sich entdeckt haben, hola! Für den aufmerksamen Autofahrer jedenfalls waren Eis und Glätte das geringere Problem…

Ja, die Fahrradfahrer haben es auch nicht leicht. Oft werden sie ignoriert. Berlins Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers etwa fährt selbst gern mit dem Rad, wie sie kürzlich auf einer Pressekonferenz erklärte. Und hat schon einiges erlebt.
- So hat sie einen Salto wegen einer geöffneten Autotür hinter sich,
- wurde von einem rechtsabbiegenden Pkw erfasst
- und  von einem BVG-Bus an die Bordsteinkante gedrängt, infolgedessen sie quer über den Bürgersteig flog.

Unfreiwillige Stuntfrau und Berlins Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers.

Das ist die Opferperspektive. Natürlich gibt es auch eine Täterperspektive: Bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2011 zu den Gründen für die gestiegenen Radunfallzahlen, erzählte Margarete Koppers auch: „Gelegentlich muss ich mich beschimpfen lassen, wenn ich bei Gelb bremse und die hinter mir fahrenden Radfahrer dadurch anhalten oder ausweichen müssen.“ Nun ja, die Radfahrer mobben auch untereinander.

Die Polizei müsste viel öfter den Verkehrssünderlein einen Denkzettel verpassen. Gerade erst hat sie einen Radfahrer mit 1,6 und ein anderen mit 2 Promille aus dem Verkehr gezogen. Aber meist ist die Polizei nicht da, oder sie fliegt eben über die Bordsteinkante....

Erzieherisch, also so richtig erzieherisch wirkte eine Maßnahme, die zugegebenermaßen ein Familienmitglied von uns erlebte:
Er donnerte des Nachts ohne Licht und mit einem überhaupt ziemlich verkehrsunsicheren Gefährt die Wichertstraße herunter. Natürlich auf dem Bürgersteig. Plötzlich bemerkt er neben sich ein Polizeiauto. Unser Familienmitglied hatte sich schon
- auf Rechtfertigungsversuche („Fahrn Se mal rechts ran!“),
- auf Konflikte („Pusten Se mal da rein!“)
- und auf böse, möglicherweise sehr böse Argumentationen („Na, was ham wa denn falsch gemacht?“) eingestellt.
Da vernahm unser Amateur-Straftäter aus der Flüstertüte ein schlichtes:
„Wir grüßen den Organspender!“
Dann fuhr das Polizeiauto einfach weiter.

Keine Belehrung? Keine Strafe? Ja ist Berlin denn neuerdings eine konfliktfreie Zone?
So albern, so erniedrigt, so gekränkt - erzählte er uns dann -
habe er sich jedenfalls noch nie gefühlt.
Die Ignoranz gegenüber Radfahrern hat wohl einen neuen Tiefpunkt erreicht!