Lena Meyer-Landrut, Horst Köhler und Henning Mankell – sie waren die Themen der letzten sechs Tage. Eine Nachricht dagegen ist das Thema der letzten sechs Wochen: das Bohrloch am Meeresboden im Golf von Mexiko.

Kann sein, dass Lena Meyer-Landrut nach ihrem Sieg am Sonnabend beim Eurovision Song Contest eine nationale Aufgabe übernommen hat. Unbestritten ist, dass Horst Köhler als Bundespräsident seine nationale Aufgabe am Montag aufgegeben hat. Das aber alles ist kein GAU. Der israelische Angriff auf die pro-palästinensische Hilfsflotte, der neun Menschenleben gefordert hat, dagegen schon.

Und ein Super-GAU ist, was BP seit dem 20. April verursacht. 

Egal, ob es menschliches Versagen war oder Sicherheitsvorschriften umgangen wurden:
– dass ein Konzern nicht auf eine Havarie vorbereitet ist, ist unfassbar
– dass die hilflosen „Rettungsmaßnahmen“ seitdem noch mehr Schmutz verursachten, ist empörend
– dass die US-Regierung heute klarstellt, dass sie die sprudelnde Ölquelle „nicht mit einer Atombombe beschießen wird“, ist alles andere als beruhigend.

Man muss keine Sandalen tragen und keine Körner essen, um zu begreifen: Die Lage ist ernst! Offenbar kann die Menschheit nicht über die Schatten springen, die sie selbst wirft.

Henning Mankell – dafür bekannt, dass er sich selbst nicht schont – setzt heute seine Lesereise fort, gerade gibt er in der Berliner Volksbühne eine Pressekonferenz. Sein politisches Engagement ist auf einem Höhepunkt.
Lena Meyer-Landrut will Anfang August ein Taschenbuch (Heyne-Verlag) veröffentlichen, Tchibo bringt ein Lena-T-Shirt raus und die Vermarktungsmaschine wurde gerade erst angeworfen.
Horst Köhler wird am 15. Juni feierlich als Bundespräsident verabschiedet und am 30. Juni wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt.
Für alles gibt es einen Plan.

Doch niemand wagt es, zur BP-Katastrophe etwas vorherzusagen.

 

Verfasst am 03.06.10, 17:05 Uhr
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Kommentare

das ist doch einfach unglaublich. sie haben vollkommen recht, liebe frau zöllner. von all den genannten namen und ereignissen wird uns das lecke bohrloch sicherlich noch am längsten beschäftigen - mit umweltkatastrophen von ungeahntem ausmaß. dagegen ist die exxon valdez katastrophe vergleichsweise harmlos. und worüber wird geredet? über ein mäßig talentiertes mädchen aus hannover.

Verfasst von: Hans | 03.06.10, 17:57 Uhr

 

Aber Sie müssen doch bedenken, dass Lena immerhin die beste Sängerin in der heutigen EU ist. Und das nach 28 Jahren. Damit hat sie den Jugendlichen von heute eine Stimme gegeben. Natürlich ist es eine Unverschämtheit, dass das Bohrloch nun immer noch nicht ganz gestopft ist!

Verfasst von: De Lin | 03.06.10, 20:25 Uhr

 

Dass die US Regierung die Ölquelle „nicht mit einer Atombombe beschießen wird“ ist doch was. Also wohl nicht beruhigend, aber fast glaubwürdig. Trotzdem, verliere jene Bomben nicht aus den Augen. Ach, zu spät! Wie die Ölquelle.

Verfasst von: davidly | 04.06.10, 06:52 Uhr

 

BTW: Wer war das, die drei Wochen vor dieser Schande 44 Prozent ihrer BP Aktien verkaufte? Hinweise: zweite Name klingt wie 'Sacks', ist aber nicht die der berühmt gerissenen Neurologe.

Verfasst von: davidly | 04.06.10, 07:20 Uhr

 

die ölkatatsrophe ist das beste, was passieren konnte. überspitzt gesagt...
der golf von mexico ist warm, klar und nährstoffarm. das öl baut sich vglw. schenll ab und betrifft relativ wenige tiere und pflanzen.. im dezember gibt es in cacun einen neuen klimagipfel. vlt. wird es die katatstrophe im golf sein, die dei menschheit dazu bringen wird, auf "grüne energie" nun konsequent umzusteigen. auf jeden fall wird es der amerikanische präsident sehr schwer haben, neue riskante bohrgenehmigungen zu vergeben.. manchmal ahnt man gar nicht, wofür so manches gut sein kann..

Verfasst von: thomas | 04.06.10, 07:32 Uhr

 

Vollkommen korrekt! Es ist wie es immer ist, Brot und Spiele, Massenverblödung, Ablenkung vom wirklichen Geschehen. Keiner weiß Bescheid aber alle machen mit. Brot und Spiele - Lena/Köhler/Fußball-WM... gute Nacht uns allen!
Was eigentlich, wenn dieses Bohrloch nie geschlossen werden kann? Dann gibts wohl wenigstens bald Öl für alle, zum Nulltarif!

Verfasst von: Andi Berliner | 04.06.10, 11:26 Uhr

 

Es ist schon unglaublich, daß eine Lena Müller-Lüdenscheidt mit einem grottenschlechten Song einen Liederwettbewerb gewinnt.

Verfasst von: Klaus | 06.06.10, 15:00 Uhr

 

De Lin, sind nicht am Ende sie selbst "die beste Sängerin der EU"? Ich glaub es hackt!

Verfasst von: malte | 07.06.10, 12:27 Uhr

 

Hallo De Lin,
vielleicht sollte man die "Gesangswaffe" (die bester der EU!?) gegen die Ölquelle einsetzen lassen? Wäre zumindestens keine Atombombe.
Ich frage mich aber, was ist der wesentliche Unterschied zwischen der Golf-Katastrophe und der Tschernobil-Katastrophe. Schlimm sind jedenfalls beide.

Na, wir haben ja aber auch noch die Option, das eines Tages eines unserer eigenen Kernkraftwerke in die Luft fliegt. Pannen gibt es ja regelmäßig und wenn wir die Laufzeit nur lange genug immer wieder Verlängern haben wir doch alle Chancen ....
Aber nun haben wir auch ein Dilemma:
Wenn wir Bürger die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke weiter ablehnen, dann müssen wir laut Bundesregierung halt selber mehr Steuern zahlen. Oder wie meinen unsere Regierenden ihren aktuellen Vorschlag? Kann man so etwas eigentlich Nötigung und Roßtäuscherei nennen?

Verfasst von: Hans-Joachim | 08.06.10, 19:04 Uhr

 

lena hat es oft nicht leicht, aber das mädchen ist mir als eurovisioncontestsong-in-frage-steller doch recht sympatisch geworden, ich merke aber wie die journalisten diese zarte blüte unter anderem mit dem überstrapazierten wort "natürlich" ramschig texten. natürlich könnte man als studierter und engagierter journalist seinen pflichten nachkommen und bp ins verdiente Aus texten, eine solche verantwortungslose wirtschaftspolitik(sie wird ja nicht von der politik, sondern von unternehmen gemacht) wird ja eher stillschweigend legitimiert, da gestandene weltkommentatoren sprachlos sind. sie sind sprachlos weil sie mit den lenas und merzads dieser welt bereits überfordert sind und probleme sich nicht verkaufen, wie sie meinen. bp haben wir letztlich mit unserem desinteresse und unserem kontrolllos steigenden öl/benzin und energieverbrauch der letzten Jahre mitzuverantworten, wer lacht denn nicht über die ökofimmel und besorgte stimmen gegen das "soweiterwieimmer"?
bei der nächsten gelegenheit wird zugunsten eines grosskonzernes doch wieder ein lacher gegen kritiker geschrieben, seit der klimaerwärmungs vorhersage ist nichts anderes passiert.
im sinne von "katastrofe gut für umdenken, vorher nicht denken" kann man sich bloss noch den original gau (ich glaube doch das wort kommt aus der atomkraftrisikobewertung?)
wünschen, ein akw von rwe explodiert in spe (nur eine frage der zeit...)
wäre interessant wie die jetzigen profiteure vorbereitet sind, ob überhaupt irgendeine versicherung ihren fiktiven verträgen nachkomm(t)(en kann).
das alles kann man lena aber wirklich nicht zuschreiben, sie hats doch gut gemacht; die grottigen vorjahre schon vergessen? gut, ich auch.

Verfasst von: jan | 18.06.10, 13:24 Uhr

 

Was ist neu am Unfall der Deepwater Horizon ?
Nichts !!!
Bereits 1979 gab es einen Super-Gau im Golf von Mexico.
Ursache damals wie heute : ein Blow-Out-Preventer.
Zehn Monate lief damals die Brühe ins Meer . . .
Die Rettungsversuche vor 31 Jahren waren die gleichen wie heute.
Und sie waren genauso erfolglos. . .
Seitdem gab es pro Jahr ca. 12 Blow-Outs.
Hat es jemanden wirklich interessiert ?
Nein !!!
Alles schon vergessen -
oder nur die Gnade der späten Geburt ???

Verfasst von: Jester | 18.06.10, 16:20 Uhr