Bei der Gier nach schnellen Gewinnen gehen Finanzmanager unvertretbare Risiken ein – dazu verleiten sie die exzessiven Bonuszahlungen. Nun will die EU-Kommission die Boni an Bank-Manager begrenzen. Am Beispiel der Barbesitzerin Mandy aus Kreuzberg lässt sich die Kettenreaktion hervorragend ablesen, die hemmungslose Spekulationen auslösen.

Nehmen Sie sich zwei Minuten, um ein bisschen Finanzkrise viel besser zu verstehen. 

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kündigte am Sonnabend (21.2.) ein Konzept an, um schärfer gegen die Bonuszahlungen vorzugehen. Denn viele Millionen Menschen müssen ausbaden, was wenige angerichtet haben. Banker und Manager, die riskant spekuliert haben, sollen für ihr Scheitern nicht länger belohnt werden.
Doch die Investment-Profis sehen das anders und wollen nicht auf das verzichten, was ihnen zugesichert wurde. Damit beweisen die Milliardenverlustler gleich wieder keinen guten Instinkt, sondern nur Raffgier. Das ist unmoralisch. Aber ungesetzlich ist es eben (noch) nicht.
Die Kettenreaktion der Abkassier-Mentalität wird seit einiger Zeit auf Internetseiten am so-könnte-es-gewesen-sein-Beispiel von Mandy und ihren Risiko-Anleihen dargestellt:

Der Ablauf einer Finanzkrise

Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger) auf den Deckel zu nehmen – ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandys Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol – und damit auch massiv ihren Umsatz.

Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Mandys Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung. Zur Refinanzierung transformieren topausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen „SUFFBOND“, „ALKBOND“ und „KOTZBOND“. Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung „SPA Super Prima Anleihen“ und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandys Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen. Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was diese Papiere beinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren.

Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich.

Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk-Manager (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, dass es an der Zeit sei, die ältesten Deckel von Mandys Kunden langsam fällig zu stellen. Überraschenderweise können die Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, bezahlen. Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus. Mandy macht Konkurs. „SUFFBOND“) und „ALKBOND“ verlieren 95 Prozent, „KOTZBOND“ hält sich besser und stabilisiert sich bei ,einem Kurswert von 20 Prozent.

Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die „Super Prima Anleihen“ investiert. Der Wein- und der Schnapslieferant gehen Konkurs, der Bierlieferant wird dank massiver staatlicher Zuschüsse von einer ausländischen Investorengruppe übernommen.

Die Bank wird durch Steuergelder gerettet. Der Bankvorstand verzichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Bonus.

Verfasst am 22.02.09, 18:04 Uhr
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Kommentare

Alles perfekt erklärt, nur der letzte Satz geht an der Realität vorbei.

Verfasst von: Claire Duchesne | 24.02.09, 12:18 Uhr

 

Und im nächsten Jahr.
Mandy benennt sich in
Cindy um.
Eröffnet eine Bar-KETTE bundesweit mit gleichem Geschäftsmodell.
Dieses Mal sorgt sie durch
Werbung dafür das alle Steuerzahler in ihre Barfilialen kommen.
Was macht dann die Bank am Ende?
Rettung durch Steuerzahler fällt dann aus.

Verfasst von: carlwilhelm | 24.02.09, 14:25 Uhr

 

Sehr gut. Ausserordentlich gut.
Nur der letzte satz ist falsch.
Und ein weiterer Punkt fehlt:
"Obwohl das Wirtschaftmodell der FDP, nämlich der deregulierte, von bürokratischen Lasten befreite und grenzelos wachstumsorientierte Barbetriebskapitalismus gerade total versagt hat, erhält die Partei der smarten(FDP: The Smartest Guys in the Bundestag) und sehr qualifizierten Fdp-Politiker bei Umfragen fast 15%. Keiner stellt das angeblich effizienteste Wirtschafstsystem in Frage. Keiner denkt an Schumpeter, Popper oder einen Milton Friedman, der noch im 21.Jahrhundert mehrmals seine Abscheu gegenüber dem aktuellen System geäussert hat

Verfasst von: AchmedKachemd | 07.07.09, 18:59 Uhr