Unverantwortliche Kreditvergaben, riskante Anlagen, unübersehbare Spekulationsmöglichkeiten und ähnliches haben zu einer weltweiten Finanzkrise geführt – von der Experten meinen, sie sei noch lange nicht ausgestanden. Da werden die Rufe natürlich immer lauter, die Verursacher der Finanzkrise nun für ihre angerichteten Schäden haften zu lassen. Aber wer hat sie eigentlich so lange gewähren lassen? 

 

Selbstverständlich finden es Arbeitnehmer prima, wenn ihre Arbeitsplätze sicher sind. So wie es Sparer mögen, wenn ihre Einlagen sicher sind. Das setzt Bewusstsein, Ethik, ja auch Regularien, Vernunft usw. voraus.
Doch Überraschung: Das individuelle Streben (es muss nicht gleich Gier sein) setzt sich immer noch durch. Der Mensch nimmt, was er kriegt! Und der Zocker von heute handelt dabei nicht mal illegal.

Nun sagte gerade Franz Müntefering: „Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler die Rechnung begleicht.“ Doch hörten wir alle, dass dies mit dem Rettungspaket der Bundesregierung längst schon so beschlossen ist.
Gern teilen wir die Empörung. Wer sähe nicht gern die Übeltäter der Krise bestraft. Aber wer gehört hier zur Rechenschaft gezogen? Nur die bösen Finanzjongleure?

Die Thematik ist so komplex, dass sie selbst Fachleute nicht einfach so auf den Punkt bringen können. Auch gut gebildete Menschen können nicht ohne weiteres erklären, warum „Geld teurer“ geworden ist.
Aber markig formulierte Empörung durchschaut indes jeder.
P.S. Übrigens hat die Suche nach dem „Unwort des Jahres 2008“ begonnen. (siehe: ) Erinnern Sie sich noch an „Menschenrest“ für Schwerstpflegebedürftige oder „Morbiditätszuschlag“ im Gesundheitsfonds. Und fallen Ihnen da nicht auch zwangsläufig die „innovativen Finanzprodukte“ dieses Jahres ein, mit denen faule Kredite verherrlicht wurden?

Verfasst am 24.10.08, 21:27 Uhr
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Kommentare

Vertrauen – nie hat man dieses Wort so oft gehört – zumal in den Medien – wie anlässlich dessen, was man die internationale Finanzkrise nennt. Die Banken müssen sich gegenseitig wieder vertrauen, die Politik muss Vertrauen schaffen, die Sparer sollen ihren Geldinstituten vertrauen….

Ginge es dabei nicht letztlich um den Zusammenbruch des internationalen, skrupellosen Zockertums, wäre die Verwendung dieses Begriffs nur halb so schwer verdaulich. Warum sollte irgendjemand denen vertrauen, die doch gerade erst bewiesen haben, dass sie dieses Vertrauen nicht verdienen und dass sie sogar den schweren Schaden ganzer Volkswirtschaften billigend in Kauf nehmen, um ihre Gier zu stopfen?
Klar wird dabei auch: die Börsen, die Finanzmärkte fußen auf reiner Psychologie – alles ist nur eine Frage der Betrachtung, nichts ist real außerhalb der kollektiven Wahrnehmung. Und das Geld, mit dem gezockt wird, ist nur virtuell – genau wie die halbe Billion, die die Bundesregierung gerade aus dem Hut gezaubert hat. Nichts davon ist wirklich.

Faszinierend ist auch zu sehen, wie energisch sich plötzlich die Regierungen unterhaken, wie einig man sich bezüglich der notwendigen Unsummen ist, die in die Hand genommen werden müssen, um einen Markt zu korrigieren, der seinen Freiraum schändlich missbraucht hat.

Vielleicht ist dies alles richtig und nötig, vielleicht würde es noch viel mehr ans Eingemachte gehen, wenn man den Banken jetzt nicht die Milliarden hinterher schmeißen würde.

Sicher ist aber auch: Wenn wir nur einen Bruchteil dieser weltweiten politischen Entschlossenheit für andere zentrale Problemfelder wie der Bekämpfung von Hunger, Armut, Klimawandel, für die weltweite Durchsetzung eines Grundrechts auf Bildung und der Beendigung von Kriegen mobilisiert bekämen, wären wir bei diesen Themen sehr bald sehr viel weiter.
Und: keines dieser Themen ist virtuell – Armut, Kriege und Umweltverschmutzung sind noch immer sehr reale Katastrophen ( an denen jedoch leider einige der Börsenzocker ganz gut verdienen).

Verfasst von: thomas.zippel | 25.10.08, 11:12 Uhr

 

Ihr Kontostand wies nur 5,00 € auf und hatte keine ausreichende Deckung, daher konnten wir die Buchung von 5,35 € nicht vornehmen!! Viele kennen das Gefühhl der Arroganz der Banker! Diese Karre muß voll in den Dreck fahren. Also bitte erst der Anfang vom bitteren Ende.
Sonst bleibt der Trog der Gleiche, nur die Schweine werden getauscht. Auf ein Zweites 1923!!!

Verfasst von: Frank Schmidt | 25.10.08, 15:15 Uhr

 

Es ist alles nicht ganz neu, wie folgende Zeilen eindrucksvoll belegen:

Wenn die Börsenkurse fallen

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"

Verfasst von: p. petersen | 25.10.08, 22:18 Uhr

 

Danke für dieses treffende Gedicht. Zeitlos, als hätten die Menschen bis heute nichts dazu gelernt.

Verfasst von: Tucholsky-4-ever | 26.10.08, 17:29 Uhr

 

Warum greifen die Konstrukte von Merkel & Co nicht?

Weil sie glücklicherweise nicht die alleinige Macht dazu besitzen! Wie schon immer in der Geschichte der Menschheit, liegt die Macht in der Gemeinschaft aller. Geldscheine sind nur bedrucktes Papier. Das kann Klopapier auch. Im Gegensatz zur Produktivkraft eines Volkes hat Geld keinen Wert in sich, es ist nur ein Hilfsmittel zum Tausch von Waren. Doch ohne das Mitwirken der Bevölkerung, bzw. ohne die Ware Arbeit, können sich Politiker, Banker und Finanzwert-"Produzenten" auf den Kopf stellen, bis ihnen der letzte Cent aus der Tasche fällt, diese Minderheit der "Nicht-Arbeiter" alleine ist machtlos und ist es schon immer gewesen.

Angela Merkel (CDU) tut so, als wolle und könne sie die "Schulden" persönlich bezahlen. Die Schulden sind nicht das Problem und waren es noch nie. Es sind eher die Zinsen. Zinsen sind Finanz-"Produkte", die ebenfalls keinen Wert in sich haben. Im Gegensatz zu einem Betrieb, der mit und durch seine Beschäftigten
zu einem Endprodukt kommt, das der Markt braucht oder verlangt.
Einfaches Beispiel: Brot!

Zum Verständnis: Die gesamte Staatsverschuldung Deutschlands liegt bei ca. 1,6 Billionen Euro, davon sind 1000 Milliarden Euro Zinsen. Die könnte man von "Heute auf Mogen" abbauen, indem man die Banken verstaatlicht!

Jedoch in einem Punkt hat Merkel Recht. Sie braucht das Vertrauen der Menschen. Ohne ein Volk von Steuerzahlern kann sie garnichts. Sie hat, wie ein Geldschein, keinen Wert in sich. Ein Nichts im Raum der Zeit, wertlos.

Steuergelder hingegen sind real-existierende Mittel, weil ihnen, durch die vom "Arbeiter" geleistete Arbeit, ein wertgesteigertes Produkt vorausgeht und sie deshalb Teil dieser Wertsteigerung sind. Steuergelder sind der einzige "Rohstoff", der, zeitlich betrachtet und von der Bevölkerung abgesegnet, nahezu unbegrenzt vorhanden ist und somit wertvoller als Gold, Silber oder Aktien.
Es liegt, wie schon immer, bei uns. Wie so oft in der Geschichte, haben wir einen weiteren Hinweis bekommen. Was ist richtig, was ist falsch? Welche Institutionen und Subsysteme sind erhaltenswert, welche sind auszusondern?

In diesem Sinne, bis zur nächsten Krise ;-)

Verfasst von: Steffen Lörtzing | 26.10.08, 23:28 Uhr

 

Es wird der Normalbürger wieder haften. Also wird eine neue Steuer kommen.

Wie kann sich eigentlich die Bundesregierung so freizügig tun?

Auf der einen Seite ist der Staat völlig pleite, anders investiert er in einen sinnlosen Mordfeldzug Afganistan. Alles unverständlich für mich.

Bevor man den Groß-Bänkern hilft, wäre es an der Zeit darüber nach zudenken, ob man nicht endlich mal die noch lebenden Bürgern bzw. dessen Kinder angemessen entschädigt, welche in Ostdeutschland nach dem 2. WK Ihre Sparguthaben verloren haben!!!!!!

Verfasst von: Frank Schmidt | 27.10.08, 08:41 Uhr

 

okay okay, ICH HAFTE FÜR DIE KRISE, ich machs,schon gut !

Verfasst von: wildman | 28.10.08, 17:19 Uhr

 

Immer wieder klasse, der Tucho! Wie wir sehen, ist es nun mal systembedingt, dass der Kapitalismus in seiner Profitgier durchdreht. Nur wenn eine Alternative droht, wird er zeitweilig zur "sozialen Marktwirtschaft". Seit 1990 ist er nun schlicht rücksichtslos. Ein linker Wissenschaftler vermutete kürzlich, dass das System noch 500 Jahre überleben wird. Nur: vorher hat er den Planeten ruiniert. Gute Nacht!

Verfasst von: Kolkrabe | 29.10.08, 11:57 Uhr

 

KEINER! Oder vielleicht der einfache Bürger??
Staat stützt die Banken usw. lachhaft! Schröder zog einst den Bürgern "die klammoten vom Leib" weil Deutschland ja ein reiches Land sei aber alle den Gürtel enger schnallen sollen. Und dann verdrückte er sich!
Was sich Heute abspielt ist hausgemachter Müll der Bankroteure!! Was ist mit den Armen? Wer greift denen mal auf die Schnelle unter die Arme um weiter leben zu können?? Hoffentlich geht es wirklich den Bach runter. Alle heulen und keiner ist schuldig - das wahre Gesicht kommt zum Vorschein. Wenn die Putze die oberste Etage leer gefegt hat, ja dann ist Feierabend.

Verfasst von: PeBu | 29.10.08, 17:01 Uhr

 

warum ist der mensch so daran bedacht einen schuldigen zu finden.

Verfasst von: hasanov | 31.10.08, 10:47 Uhr

 

tja, leider sind viele (ich auch)dem falschen Tucholky-Gedicht auf den Leim gegangen (siehe:http://www.sudelblog.de/?p=379.
Wäre ja auch zu schön und prophetisch gewesen, und man hätte seine politische Unkorrektheit (sein Kopfschütteln über das derzeitige Milliardengemauschel) literarisch anerkannt und hochwertig rechtfertigen können. War aber leider ein Fake und von einem unbekannten Österreicher verfasst.

Kleiner Trost gefällig?

"Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. "Stützungsaktion", bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr...jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaft haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sog. "Bilanz" zusammengestellt."

(dies nun ein echter Tucholsky
geschrieben unter dem Pseudonym "Kaspar Hauser" 1931 in der "Weltbühne")

Verfasst von: thomas zippel | 04.11.08, 15:56 Uhr

 

Danke für den Nicht-Tucholsky-Hinweis:)
Hier seien noch schlaue Gedanken des Philosophen Jürgen Habermas (79) nachgeschoben, der in der aktuellen „Zeit“ die Politik verantwortlich macht. Sie träfe die Schuld an der weltweiten Finanzkrise. In dem Wochenmagazin sagt er: Es sei Heuchelei, dass jetzt mit dem Finger auf Sündenböcke gezeigt werde. „Auch die Spekulanten haben sich im Rahmen der Gesetze konsequent nach der gesellschaftlich anerkannten Logik der Gewinnmaximierung verhalten. Die Politik macht sich lächerlich, wenn sie moralisiert. Sie und nicht der Kapitalismus ist für die Gemeinwohlorientierung zuständig.“ Es sei eine „himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit“, dass nun die „verletzbarsten sozialen Gruppen am härtesten“ getroffen würden.
Habermas kritisierte in der „Zeit“ aber auch die Wirtschaftsmanager: Es sei von „abgründiger Komik, wie sie dem Elitegeschwätz unserer Talkrunden auf den Leim gehen, sich allen Ernstes als Vorbilder feiern lassen und mental den Rest der Gesellschaft unter sich lassen.
Was, bitte, soll am Charakter von Leuten in Führungspositionen, die ihre Arbeit halbwegs ordentlich tun, exemplarisch sein?“

Verfasst von: Abini Zöllner | 05.11.08, 16:40 Uhr