Der Roman der Amerikanerin Nicole Krauss (31) "Die Geschichte der Liebe" ist eher eine Geschichte einer Liebe. Sehr ambitioniert und nur ein wenig konstruiert. Kein Wechselbad der Gefühle - aber eines der Stilistik.

 

Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe.
Gelesen von Dieter Mann.
Argon Verlag 2005, ungekürzte Fassung 574 Min., 8 CDs, 26 Euro.

Nach langatmigen Passagen wird das Geschehen plötzlich asthmatisch vorangetrieben. Es gibt eigentlich nur eine Konstante: Immer wird unsere sentimentale Belastbarkeit auf Ausdauer geprüft. Jedoch wurden die kleinen Zumutungen raffiniert in eine ausgesuchte Sprache gepackt.

Am Anfang ist der Rückblick. Leo Gursky zieht Bilanz: Ein Mann aus Polen, der früh seine große Liebe fand, und sie viel zu früh wieder aus den Augen verlor, der später "unsichtbar in Amerika" ankam, stellt sich und sein Leben vor: Der und der bin ich. Der auch.

Es geht um einen, "der so groß sein wollte wie das Leben". Und während der Hörer auf solch gelungene Sätze anfangs lange warten muss, wartet Gursky auf sein Ende:
Wie wird er sterben? Wo? Und weswegen? Die Liebe zu einer Frau hat ihm das Leben gerettet. Oder war es vielleicht doch das Buch, das er für sie schrieb, das den Holocaust überstand und die Gegenwart für ihn spannender macht als er annimmt?
Dieter Mann pegelt sich als Sprecher auf einer gefährlich monotonen Frequenz ein. Wohl will er damit die Lebensmüdigkeit verdeutlichen, aber es klingt, als wäre hier einer von sich selbst gelangweilt. Jedoch: Wenn Dieter Mann nicht so gut ist, ist er immer noch sehr gut. Wer 574 Minuten durchhält, hat mehr übers Leben als über die Liebe erfahren. Und hat dabei zehn Stunden gewährt, in denen er selbst hätte leben und lieben können.