Irgendwann ist Schluss, denkt mein Mann. Bloß weil es schon nach Mitternacht ist.
Aber ich kann manche Dinge nicht „auf morgen“ vertagen...

 

dpa/lsn (Digitale Fotografie)

Glück ist, wenn man einen freien Tag genießen kann. Glück ist, vom Beckenrand zu springen, auch wenn es nicht erlaubt ist.   Oder beim Falschparken nicht erwischt zu werden. Für manche ist Glück, viel Geld zu haben und wenig Sorgen. Für andere ist Glück, nicht neben einem Atommeiler zu wohnen. Oder neben Frau Schmidt. Glück ist relativ.
Unser kleines Glück war mal   ein neuer Geschirrspüler. Mit variablem Sonderprogramm, höhenverstellbarem Oberkorb und gezieltem Dosierassistenten. Mit Sensorlogic, Aquacontrol und Turbospeed. Superenergieeffizient, superspülhygienisch. Superflüsterleise. Keine Ahnung, wie wir früher Geschirr sauber bekommen haben. Aber das hier war ein Traum. Doch neulich die Katastrophe: Der Spüler streikte. Er verwehrte uns den schonenden Hochdruck, die keimfreie Trocknung und den brillanten Glanz.
Da ist die kleine Hausfrau natürlich sofort aus dem Häuschen. Und der gut erzogene Ehemann heuchelt trotz aller Müdigkeit Verständnis.
Er fragt: „Na weißt Du denn noch, wann wir ihn gekauft haben?“
„Irgendwann, 2013.“
„Ich glaube eher 2011.“
„Höchstens 2012. Da muss ja noch Garantie drauf sein. Muss ja.“
„Na dann lass uns die Rechnung suchen,“ sagt er – und meint: Na dann such mal.
Ich antworte: „Aber ich weiß genau, dass du ihn gekauft hast. Die Rechnung muss in deinen Unterlagen sein. Hundertprozentig!“
Es ist 23 Uhr. Mein Mann erhebt sich, murmelt etwas von „passiver Tyrannei“ und kommt von da an im Viertelstundentakt immer mit einem neuen Ordner ins Wohnzimmer. Seite für Seite geht er durch: 2013. Nichts. 2012. Nichts. Etwa doch schon 2011? Auch nichts.
Nach Mitternacht kommen wir auf die Idee, am Gerät das Herstellungsdatum abzulesen: Mai 2012. Mehr will mein Mann nicht wissen. Er vertagt alles Weitere „auf morgen“ und behauptet, er sei jetzt müde.
Müde? Eigentlich lautet das Motto unserer Familie: Wir machen uns glücklich – auch wenn wir dabei draufgehen! Nun bleibe ich deprimiert und grübelnd  allein zurück. Hm. Wo hat er bloß die Rechnung? Ausgeschlossen, dass sie in meinen Unterlagen ist. Und dann?
Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man es nicht nachfühlen. Aber, ich schwöre: Glück ist, nachts um zwei Uhr die Rechnung vom Geschirrspüler zu finden.
Egal, wo ...