Nächtliche Heißhungerattacken sind ein Problem. Nicht aber, wenn Kaiser’s um die Ecke bis 24 Uhr geöffnet hat….

 

Neulich war ich mal wieder auf der Waage. Mein Mann sah das Gewicht, schmunzelte und sagte dann: „Alles klar. Du bist zu klein.“
Na gut, ich kenne mein Problem:   nächtliche Heißhungerattacken. Sie sind deprimierend, aber nicht unlösbar – vor allem, wenn  Kaiser’s um die Ecke bis 24 Uhr geöffnet hat. Lust auf was Salziges? Kein Problem. Appetit auf was Süßes? Bitte sehr.
Eines Abends saßen wir gemütlich zu Hause – und redeten irgendwann übers Abnehmen. Ein Thema, dass meine Kinder definitiv nicht betrifft. Aber: Ich habe eine sehr liebe Familie, deshalb redeten wir allgemein und es wurden keine Namen genannt. Während alle gesundes Essen aufzählten, gesellte er sich plötzlich dazu: der Heißhunger. Aufdringlich und unerbittlich.
Leider haben wir keinen Ertüchtigungskeller, wo ich mich abreagieren konnte. Also gab es nur diese Alternative: Ich zog spontan los, um Zutaten zu kaufen. Es war erstaunlich, wie voll es kurz vor Mitternacht noch im Lebensmittelladen war. Und ich schwöre, in meiner Schlange standen noch mehr Heißhungerattacken-Opfer. Kurz nach eins war der Nusskuchen jedenfalls gebacken.
Meine Familie probierte davon, hm, ja, der war lecker meinten alle. Und dann: Das könne so aber nicht weitergehen. Schon gar nicht nachts. Ich fand, dass sie recht hatte.

Manchmal kann man von etwas  nicht genug bekommen.        Foto: dpa/Patrick Pleul  Foto: Patrick Pleul/dpa

Ich versuchte meine nächtlichen Heißhungerattacken zu ignorieren – aber nahm kein Gramm ab.
Eine Woche später fahren wir in ein Hotel zum Erholungswochenende. Morgens am sogenannten „Fitnessbuffet“ brummt ein Mann neben mir: „Koffeinfreier Kaffee, kein Zucker, laktosefreie Milch. Manche nennen das Frühstück. Ich nenne es Folter.“
Ich sehe den fremden Mann begeistert an und sage: „Sie sprechen meine Sprache!“
Dann gehe ich ans „richtige“ Buffet, bediene mich genüsslich und kellnere  die Eroberungen an unseren Tisch. Mein Mann ist irritiert.
Ich frage: „Was?“
Er zeigt auf meine Teller.
Ich sage: „Jetzt ist es morgens. Und bitteschön, es heißt doch, da solle man frühstücken wie ein Kaiser!“
Er sagt darauf nur: „Ja klar, wie ein Kaiser. Aber nicht wie zwei.“