Heute geht's um verpasste Chancen: Wenn im Berliner Straßenverkehr mal was Interessantes los ist, bin ich entweder nicht dabei - oder nicht gemeint.

 

stau

Es ist ganz einfach in dieser Stadt, mit dem Auto am falschen Ort zu sein. Baustellen,  Fahrspurverngungen, Umleitungen. Es gibt so viele Möglichkeiten, genau die blödeste  Route zu erwischen. Aber manchmal gibt es auf dem falschen Weg richtig was zu erleben.

Zunächst geht es um eine Begegnung, die ich leider nicht hatte: mit jenem Mann, vor dem im Radio („Achtung Autofahrer!“) gewarnt wurde. Es hieß, „eine angetrunkene Person steht auf der Kreuzung und regelt widerrechtlich den Verkehr“.
Irgendwie war mir der Mann sympathisch. Später hörte ich, dass er eigentlich "ein friedlicher Zeitgenosse" gewesen sein soll, der auf der Fahrbahn nur "ein bisschen herumdirigiert" habe. Es gab keine Blechschäden. Respekt!

Die andere Begegnung hatte ich tatsächlich selbst: Letzte Woche fuhr ich abends auf dem Tempelhofer Damm direkt in den Stau. Nach einer Weile wurde dem Autofahrer neben mir langweilig. Jedenfalls ließ er seine Scheibe runter und fragte nach meiner Telefonnummer. Ich sagte ihm, das sei eine prima Idee, wir könnten dann übers Herbstprogramm der Volkshochschulen plaudern. Er  war kein bisschen verängstigt und sagte: „Ich bin ein netter Kerl. Kannst jeden fragen, der nicht mit mir verwandt ist.“

Der war gut, ich musste lachen. Schon drehte ich mich zu meiner Beifahrerin (ich habe ihr versprochen, ihre Identität zu schützen) und fragte sie: „Ist das ein netter Kerl?“. Sie meinte „ja“.

Dann haben die beiden ihre Telefonnummern ausgetauscht.