Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da.
Nein, auch zum Telefonieren.

 

 Foto: dpa / Henning Kaiser

„Wie geht’s?“
„Wie immer.“
„Wie bedauerlich. Erzähl mal.“

Mit meinen Freundinnen kann ich über alles sprechen. Mit Anke  über Beziehungen und Männer, die wir nicht verstehen. Mit Kathrin über  Brüderle und die Sexismusdebatte, die wir nicht verstehen. Mit Bea über Spiritualität und Esoterik, die ich nicht verstehe. Sind sie  nicht herrlich, diese Festnetz-Gratis-Optimal-Call-Comfort-Flatrates?

Mein Mann ist das Gegenteil von einer Plaudertasche. Wenn er mit seinen Freunden eine Nacht lang unterwegs war, kann er das in  drei Sätzen zusammenfassen: „Waren da und da. War schön. Liebe Grüße.“
Ja aber: „Gibt’s  nichts Neues?“
Nö, mehr gäbe es nicht zu erzählen, glaubt mein Mann.
Das verstehe ich nicht. Wenn ich von meinen Freundinnen auch nur kurz höre, könnte ich davon stundenlang ...
„Warum müsst ihr eigentlich so viel schnattern?“, fragt mein Mann.
„Weil wir’s können“, sage ich.

Wenn er nachher schläft, rufe ich Anke nochmal an. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja: „Männer. Nicht belastbar. Krone der Erschöpfung.“