Die Nachricht vom Tod Donna Summers kam überraschend.

Überraschender als bei Whitney Houston. Bei Whitney Houston wurde ich ehrlich gesagt nicht in völlige Fassungslosigkeit gestürzt, bei Donna Summer aber in ehrliche Ratlosigkeit. Mit Donna Summer bin ich groß und später auch erwachsen geworden. Sie hat es verdient, nicht nur als stöhnende Popdiva, sondern als echte Künstlerin gewürdigt zu werden. Ohne sie ist es nun ziemlich leer da oben, an der Spitze derer, die man altmodisch als Persönlichkeiten, ja Vorbilder bezeichnet.

Es hat mich schon früh beeindruckt,

  • dass sie fließend deutsch sprach (als mir noch das DDR-Schulenglisch anhaftete).
  • Dass sie so locker vom Musical zum Pop wechseln konnte.
  • Dass sie die Texte ihrer Lieder nicht rechtfertigte, obwohl sie ihrer Größe nicht gerecht wurden.
  • Dass sie zugab, oft auch nur eine Rolle zu spielen.
  • Dass sie nach dem übermäßigen Erfolg ihre tiefe Krise überstanden und die Kraft hatte, sich vom Rummel und den Drogen zurückzuziehen.
  • Dass sie drei Kinder bekam und die Familie zum Lebensmittelpunkt erklärte (inklusive späterer Enkelkinder).
  • Dass sie ihr Privatleben nicht wirklich preisgab, obwohl sie doch das Buch "Ordinary Girl" schrieb. Nicht alle Aussagen konnte ich teilen - weder die orthodoxen noch ein paar andere -, aber Donna Summer kam nie missionarisch daher.  Und wenn man sie in Interviews erlebte (auf Arte oder CNN gab es sehr kluge Gespräche mit ihr), war es immer inspirierend. Das ist selten genug und sehr viel.

Es beeindruckte mich auch,

  • dass sie privat leger, ungeschminkt und völlig uneitel daher kam.
  • Dass sie sich ernsthaft der Malerei widmete und nicht einfach eine Spielerei betrieb (ihre Bilder erzielten fünfstellige Summen, nicht überall stand Donna Summer drauf).
  • Dass sie die Courage hatte, sich nicht nur an ihrem Namen, sondern auch an ihrer Arbeit messen zu lassen.
  • Dass sie hübsch war, aber sich nicht einfach auf Äußerlichkeiten verließ. So fing sie an, über die Jahre auch von innen zu strahlen.
  • Dass es keine Rolle spielte, dass sie 60 war, als sie im Sommer 2009 im Berliner Tempodrom auftrat. Sie war trotz grottiger Akustik als Sängerin wieder völlig präsent. Eine faszinierende Erscheinung.

Dass sie ihre Krebserkrankung geheim gehalten hat, erinnert mich an eine gute Freundin, die das auch nur mit sich selbst und ihren Engsten ausgemacht hat. Das ist wohl eine Form von Stärke, die man nicht beschließen kann, sondern hat. Ich denke und befürchte, vieles Erstaunliche über Donna Summer werden wir nun nicht mehr erfahren.

Und dann war da noch die Musik. Die Beats waren echte Stampfer: immer auf eins, zwei, drei, vier. Genau dieser Groove trieb die Fans an, bis zum Umfallen. Bis in alle Ewigkeit liege ich Donna dafür zu Füßen: Endless Summer...

 

Mehr von mir zu Donna Summer:
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/es-gibt-viele-diven---und-es-gibt-donna-summer--die-saengerin--texterin-und-malerin-wird-heute-60-jahre-jung-sie-hat-sich-nicht-aufgeloest,10810590,10610130.html