Meine Haare! Wenn ich ins Wasser sprang, wurden sie nicht nass. Wenn ich versuchte, sie zu kämmen, verlor der Kamm alle Zinken. Wenn ich mir einen Pony schnitt, stand er wie ein Dach. Schon als kleines Kind geriet ich mit meinen Haaren in Konflikt. Aber schlimm, wirklich schlimm waren die Menschen,

... die mir in die Haare grapschten. Ich habe es gehasst. Und konnte es kaum erwarten, groß zu werden. Ich dachte: Dann werden die Leute wohl endlich den angemessenen Respekt haben! Jedoch…

Viele kleine krause Locken sind mein Schicksal. Welche Mutter sonst musste für ihr Kind eine Drahtbürste aus dem Hundesalon organisieren?
Aber für ein Kindheitstrauma hat es nicht gereicht. Zum Glück hatte ich eine resolute Mamel. Wenn mir jemand in der Warteschlange beim Bäcker in die Haare griff, nahm mich meine Mutter sofort auf den Arm und sagte: „So Bienchen, und jetzt fass doch mal die Haare von der Tante an“. Was ich natürlich tat. Den Tanten war das peinlich.

Wahre Geschichte: echte Mamel und echte Abini

Später - ich wurde gerade zu schwer, damit mich meine Mamel noch anheben konnte -  kam die Wende und eine Vielfalt neuer Möglichkeiten. Man konnte sich die Haare bügeln und entkrausen – allein deswegen wäre ich 1989 schon auf die Straße gegangen. Plötzlich konnte ich meine Haare bändigen, ja sogar Frisuren tragen. Herrlich.

Und trotzdem: Bis heute (also ein paar Jahrzehnte und zwei erwachsene Kinder später) wird mir immer noch in die Haare gefasst. Im Fahrstuhl, in der Kantine und kürzlich erst auf dem Büroflur. Eine Kollegin wollte (wieder mal) wissen „ob die echt sind“. Liebe Tante, was soll ich sagen:

Ich gehe in ein Haarkaufhaus, dort hängen wunderschöne Exemplare. Ich kann wählen zwischen rot, blond und schwarz: Kurz, mittellang und lang: Glatt, wellig und kraus. Dann gehe ich an die Kasse, bezahle und bringe sie mir kunstvoll an. Natürlich darf ich mich von da an nicht mehr abrupt bewegen, muss Stürze vermeiden oder den unüberlegten Auerbach-Salto ins Wasser. Ich schlafe nur noch aufrecht, bewege mich tagsüber grobmotorisch und achte darauf, nicht unter Dunstabzugshauben oder irgendwas Windiges zu geraten.

Das glauben Sie nicht? Sie könnten an meinen Haaren ziehen - quod erat demonstrandum. Ich hätte nichts zu befürchten. Aber ich lasse Sie nicht.
Es sei denn: Ich dürfte mal Ihre Zähne auf Echtheit untersuchen?
Oder Ihre Haarfarbe?
Oder wenigstens zurückgrapschen?

Deal or no Deal?