Eine Feder für die Freiheit - Karikaturen von Fritz Behrendt

 

Es gibt drei Arten von Pressezeichnern: die Cartoonisten, die Illustratoren und die sozialkritischen Karikaturisten." So deutlich sieht es Fritz Behrendt, der sich seiner Definition nach zu letztgenannter Gruppe zählen darf. Er kann es sich leisten, denn er muss nicht gefallen wollen.
Doch deutlich sind nicht nur seine verbalen Aussagen, sondern auch seine gezeichneten. Behrendt pflegt da weniger den hintergründigen Strich, dafür aber die eindeutige Botschaft: Unterdrückung, Lüge oder Terror haben immer Gesichter, werden personifiziert. Seit 1972 zeichnet er für die FAZ, und deren Leser wissen sofort, wer gut, wer böse ist. "Ein bisschen von etwas" - das gibt es für Behrendt nicht. Selbst gegen die meinungsstärksten Texte wirken seine Karikaturen noch wie ein Keulenschlag. Dass Diplomatie seine Sache nicht ist, wird ihm als Engagement ausgelegt - und tatsächlich ist es das.
Seine Triebfeder ist weniger der Glaube an das, was in der Welt passiert als vielmehr der Unglaube über all dies. Behrendts Erfahrungen mit den Systemen begannen, als er 1945 unter den Nationalsozialisten in den Niederlanden und 1949 unter den Sozialisten in der DDR in Haft saß. Seit seiner Freilassung, 1950, stellt er selbst an den Pranger und zeichnet, was manche nicht auszusprechen wagen. International ist er längst anerkannt, doch was nun in Berlin zu sehen ist - insbesondere seine Arbeiten zur DDR - wird nicht allen gefallen. Aber gefallen zu wollen, wäre auch ein Todesurteil für einen Karikaturisten von diesem Format.

 

Berliner Zeitung,  25.04.2002