... jedenfalls für Karikaturisten wie Erich Rauschenbach

 

Wir müssen überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann!" So äußerte sich 1998 der Ärztepräsident Karsten Vilmar. Und in jener Rede prägte der damals 68-Jährige auch noch ein Unwort des Jahres, dass die "Rentnerschwemme" von 1996 noch unterbot: Er sprach vom "sozialverträglichen Frühableben".
Nö, dachten sich die Rentner, so weit geht die Liebe zum Staat nicht. Und sie feierten - allen demografischen Warnungen zum Trotz- munter ihre 70., 75., 80. und einige sogar frecherweise auch noch ihre viel höheren Geburtstage. Altersstarrsinn bekam da eine neue Dimension.
Der Karikaturist Erich Rauschenbach, der seine persönlichen Jubiläen mit den Cartoonbänden "Vollkommen fix und Vierzig" (1984) und "Kann denn Fünfzig Sünde sein" (1994) feierte, Rauschenbach wird in diesem Jahr 60. Zeit für ihn, klar zu stellen, dass die "60" weder für Verkehrsberuhigung noch für Blasenschwäche steht. So heißt sein neuer Band auch "Sechzig - und noch voll im Saft"(Eichborn Verlag).
Da gibt es neue Herausforderungen: Will man in Würde altern? Oder lieber in Italien? - Und neue Probleme: mit dem Älterwerden, besonders mit dem Älterwerden der Ehefrau.
Doch Herr Rauschenbach sieht das Leben ab 60 unverkrampft: "Ich hör nicht alles, vergesse vieles wieder. Das meiste, was passiert, lässt mich kalt. Ich muss nichts mehr beweisen. Und die Kinder kommen allein zurecht. - Eigentlich alles super!"
Stimmt, in seinen Karikaturen finden sich mindestens 60 gute Gründe, entspannt auf die 60 zuzugehen.
 

Berliner Zeitung, 19.05.2004